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Das Narrenrechtabholen..

Texte des Hofmarschalls der vergangenen Jahre im ARCHIV...

Die Übergabe des Narrenrechts erfolgte vor 1936 am Morgen des „Gumpigen Dunstig“ durch einen fingierten Bürgermeister auf der Hochstatt. Als 1937 die „Amtsübergebung“ dem Viehzuchtmarkt weichen musste, erwies es sich als günstig, alles auf den Mittwochabend vorzuverlegen. Vom Gasthaus „Zum Kreuz“ , wo sich bereits der Zunftrat mit Gefolge versammelt hat, wird ein Kurier zu Pferd zum Rathaus gesandt mit der schriftlichen Aufforderung nach Übergabe
der Stadt an seine närrische Hoheit Prinz Karneval. Über dieses Ansinnen wünscht der Zunftrat mit dem hochedlen Bürgermeister und dem hohen Magistrat zu verhandeln.

Fasnet wird ja oft als verkehrte Welt angesehen und so ist es nur logisch, dass die das ganze restliche Jahr über regierende weltliche Macht in der sogenannten 5.Jahreszeit, also der Fasnetszeit, ihrer Macht beraubt wird und die Gewalt über die Stadt während der Hochfasnet auf die Narren übergeht. Der symbolischen Absetzung des Bürgermeisters und seines Gemeinderats folgen am „Gumpigen“, dem Haupttag der Waldseer Fasnet, die Absetzung und Verhaftung aller Schulleiter, aller Amtsleiter (wie z.B. Amtsrichter) sowie der Bankenchefs.
Der Bürgermeister und sein Rat stimmen der gewünschten Unterredung widerwillig zu und der Kurier wird diese Botschaft dem Zunftrat überbringen, der dann in Begleitung der Zunftgarde, des Hofmarschalls seiner Hoheit des Prinzen und der Nachtwächtergruppe unter Musikbegleitung in den Sitzungssaal
einzieht.

Nach einer kontroversen Diskussion stimmt der Gemeinderat dem Vorschlag des Bürgermeisters (wie immer) zu und die Gewalt über die Stadt geht auf die Narren über. Dies wird vom Stadtoberhaupt und dem Zunftmeister auf einer Abdankungsurkunde beglaubigt und besiegelt. Als äußeres Zeichen seines Macht-
verlusts bekommt der abgesetzte Bürgermeister einen Strohhut aufs Haupt, den er
die ganze Fasnet übertragen muss.

Im Anschluss an diese feierliche Übergabe, machen die Narren von Ihrer neu erworbenen Narrenfreiheit dann auch in der Person des Hofmarschalls sofort genüßlich Gebrauch, indem dieser in seinem Prolog ein närrisches Auge auf lokale und überregionale Geschehnisse legt und dabei auch vor den abgesetzten Obrigkeiten kein Blatt vor den Mund nimmt

Gemeinsam begeben sich anschließend die Honoratioren der Stadt und der Zunft zu einem Zug um den „Stock“ und feiern dann gemeinsam im „Grünen Baum“ das Ereignis gebührend. Zeuge dieser herrlichen Zeremonie ist seit vielen Jahren unser Ministerpräsident und Obernarr Günther Oettinger, der auch beim
Narrentreffen 2008 als Schirmherr fungierte.